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Entwicklung von 1939 bis heute

Was prägte die Entwicklung von Smart Home? 
Erfahre hier mehr über den geschichtlichen Hintergrund.

© Arndt Kai

Smart Home von 1939 bis heute

von | 12. Okt 2018 | Allgemein | 0 Kommentare

© Popular Mechanics Co. 1939

1939

Nach der weiträumigen Elektrifizierung von Privathaushalten in den 1920ern mussten den Menschen die Möglichkeiten, die mit der «unsichtbaren, allgegenwärtigen elektrischen Kraft» (Bucher 1939, S. 161) plötzlich realisiert werden konnten, unendlich erscheinen. Der Autor George H. Bucher hatte eine genaue Vorstellung eines «elektrischen Haus der Zukunft» und beschrieb dieses in einem Artikel für das «Popular Mechanics Magazine».

„This future home will probably be equipped with a number of control centers, from any one of which the homemaker can give her commands to appliances at work in the kitchen and laundry. Electric ranges already are equipped with automatic controls for temperature and cooking time, but there is no practical reason why these operations together with the other appliances cannot be controlled remotely from any room in the house. Perhaps short-wave radio may be utilized for this purpose, as well as for answering the doorbell and receiving visitors by transmitting a greeting to them and unlocking the door.” (Bucher 1939, S. 163) 

Bucher charakterisierte das «elektrische Haus der Zukunft» als vernetzt und stattete das fiktive Zuhause mit Anwendungen wie Sprechanlagen, automatisierten Temperaturregelungen sowie Kochzeitsteuerungen aus. Grosses Potenzial sah der Autor in neu entwickelten Lichtquellen, die bei der Stimmungskontrolle von Bewohnern zum Einsatz kommen sollten. Die Auswahl geeigneter Farbkombinationen, die sich aufhellend oder beruhigend auf die Stimmungen der künftigen Electric Home – Nutzer auswirken sollten, sollte nach Buchers Vorstellung jedoch noch Sache der Psychologen bleiben.

In the not-distant future, the home may well be equipped with “mood control,” which is made possible by newly developed light sources. It’s possible that people will suite the light and color of their rooms to their moods. These new-type lamps produce colors of warm white, day-light white, gold, red, blue, pink and green. It’s up to the psychologists to figure out the proper combinations of colors to lift one’s spirits, when they are down, with a flood of brilliant light, or subdue a sense of excitement with soothing mellow light.” (Bucher 1939, S. 164)

Noch einige Jahre vor der weiträumigen Verbreitung des Fernsehens in den amerikanischen Haushalten prognostizierte Bucher dem neuen Medium, das sich zum populärsten in den Vereinigten Staaten entwickelte, eine gigantische Zukunft für das «electric home of the future». Schon 1939 vermutete er, dass sich das gesamte Unterhaltungskonzept verändern und die Vergnügungszentren dieser Zeit, der Broadway und Hollywood, direkt in die amerikanischen Haushalte verfrachten würde. Auch dass sich Nachrichten blitzschnell verbreiten könnten, war Buchers Zukunftsvision.

„Of course the future home will be equipped with both radio and television. No one can foresee the possibilities of television. It may change our whole concept of entertainment and move the amusement centers of Broadway and Hollywood right into our living rooms. The home of tomorrow no doubt also will be equipped with some electrical means of recording news reports and pictures as soon as the news happens.”

Zeitleiste

Laut BC Plus (2009) erwartete das Popular Mechanics Magazine, dass die Realisierung eines voll-automatischen, High-Tech Zuhauses kurz bevorstand. Doch erst in den letzten Jahren gewannen elektronisch voll ausgestatte, in sich vernetzte Wohnlandschaften, kurz Smart Homes, an Bedeutung und Verbreitung. Was ist seit 1939 passiert?

1963

Der Ursprung tatsächlich vernetzter Gebäude liegt in den 1960er Jahren. Damals wurden erstmals Störmeldesysteme realisiert. Aus der zentralen Leittechnik entwickelte sich die Gebäudeleittechnik und daraus die Gebäudeautomation (Völkel 2016).
1973

In diesem Jahr kam die speicherprogrammierte Steuerung, SPS, auf den Markt und wird auch heute noch zur Steuerung von Smart Homes eingesetzt (Völkel 2016).

1987
Das European Home System, EHS, entstand. Deren Spezifikationen befassen sich mit der Art und Weise, wie elektronische Hausgeräte miteinander kommunizieren können. EHS basiert auf dem OSI-Referenzmodell. Ein solches Home-Network muss offen, erweiterbar und zukunftsorientiert sein (ITWissen.info).
2002
Ein herstellerunabhängiger Standard für Häuser, der offene KNX-Standard, wurde verabschiedet. Dabei handelt es sich um eine gewerkeübergreifende Vernetzung von Heizung, Kühlung, Lüftung, Verschattung und Beleuchtung. Geräte verschiedener Anbieter können dadurch miteinander kommunizieren (Völkel 2016).
2005
Buchers Vorstellung eines komplett vernetzten Hauses nahm Gestalt an. 2005 wurde in München das «Haus der Gegenwart» gebaut, das sich durch seine flexible Nutzung und vernetzte Steuerung auszeichnet. Alle elektronischen Vorgänge im «Haus der Gegenwart» konnten erstmals zentral gesteuert werden. Die Bewohner erhielten durch ihre Mobiltelefone auch von unterwegs Zugriff auf ihr Haus. Nebst einer aktuellen Status-Abfrage konnten Nutzer Beleuchtungsmittel, Fenster, Türen, Jalousien, Heizung sowie auch die Gartenbewässerung verwalten. Auch Buchers gewünschte Beleuchtungsvarianten kamen im Haus der Gegenwart zum Einsatz, die wie die Raumtemperatur und Hintergrundmusik den Vorlieben entsprechend angepasst werden konnten (Völkel 2016).
2008

Das Haus V in seinem futuristischen Design ist nahezu unabhängig in seiner Energiebilanz und auf die Bedürfnisse seiner Bewohner ausgerichtet. Das Haus zeichnet sich durch seine verfeinerte Technik aus. Grosser Bestandteil davon ist der zentrale Technikschacht, der sämtliche Leitungen für Elektrik, Steuerung, Heizung, Lüftung und Kühlung enthält. Die Beleuchtung kommt nur zum Einsatz, wenn Bewohner anwesend sind oder die Dämmerung einsetzt. Das Haus V ist konsequent mit LED-Beleuchtung ausgestattet, die sich auf das Tageslicht abstimmt und an Lichtszenen gekoppelt ist. Die über die in das Dach integrierte Photovoltaik-Anlage gewonnene Energie wird für die Betreibung von Haushaltsgeräten verwendet oder fliesst in das öffentliche Stromnetz. Touchscreens ermöglichen, dass sämtliche Bereiche und Energiebilanzen zum Verbrauch von Strom, Wärme und Wasser abgerufen werden können (Völkel 2016).

 

2015
Bereits mehr als eine Million Gebäude in Europa sind KNX-vernetzt. Der Markt wächst und hält mehr als 7000 Produkte für die Vernetzung von Gebäuden bereit. Die grenzenlosen technischen Möglichkeiten bieten mittlerweile auch die Gelegenheit, ältere Häuser zu einem Smart Home um- und aufzurüsten (Völkel 2016).

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Autorin

FIA

FIA

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